Auf der Erfolgs-spur


Das Ehepaar Jered und Ashley Gruber hat sich mit ihren Aufnahmen der weltbesten Radrennprofis einen Namen gemacht

Neun Monate reisen Jered und Ashley Gruber jedes Jahr durch Europa, um die bedeutendsten Events im Profiradsport mit ihrer Kamera zu begleiten. Für fahrradbegeisterte Fotografen eigentlich ein Traumjob. Doch bildlich gesprochen kann angesichts des immer gleichen Tagesablaufs schon mal die Luft raus sein, vor allem, wenn man es gewohnt ist, mit Hochdruck zu arbeiten.

»Nehmen wir die Tour de France«, sagt Jered. »Die ist immer spannend. Aber wenn man mehrere Wochen am Stück täglich dasselbe macht, verfolgt man die Rennergebnisse irgendwann nicht mehr im Detail. Immer unterschiedlich und interessant sind allerdings die Menschen, die an der Straßenseite stehen und anfeuern – dort trifft man auf die unterschiedlichsten Typen.«

Jered und Ashley haben ihre Leidenschaft fürs Radfahren und Fotografieren in eine erfolgreiche Karriere und eine Lebensweise verwandelt. Ihre dynamischen Action-Fotos umfassen Nahaufnahmen, Landschaftspanoramen und Bildmontagen begeisterter Fans und sind bei Magazinen, Radsportmarken und Organisationen höchst gefragt.

2008 lernten sich die beiden US-Amerikaner in ihrer Heimatstadt Athens in Georgia kennen – die Szene könnte direkt aus einem kitschigen Liebesfilm stammen. »Ich hatte gerade meinen ersten Vertrag als Radprofi unterschrieben und war im siebten Himmel«, erinnert sich Jered. »Etwa eine Woche vor Saisonbeginn fuhr ich mit ein paar Freunden umher, als plötzlich diese junge Frau vor mir über den Zebrastreifen lief. Aus irgendeinem Grund drehte ich um und sprach sie an. Kurze Zeit später machte unser Leben eine 180-Grad-Wende.«

Jered hing seine Karriere als Radprofi an den Nagel und ging mit Ashley nach Innsbruck, wo sie studierte. Während ihrer gemeinsamen Zeit in Österreich trafen sie zwei weitere lebensverändernde Entscheidungen: Jered kaufte Ashley ein Fahrrad und sich selbst seine erste DSLR-Kamera – eine Nikon D40. Sie unternahmen gemeinsame Radtouren, auf denen sie die Kamera immer dabeihatten. Jered fing an, für eine Website für Radsportnachrichten zu arbeiten und bekam Aufträge in ganz Europa. Die Grubers dokumentierten ihre Reisen auf Facebook und einer ihrer Follower machte sie darauf aufmerksam, dass ihre Bilder gut genug seien, um damit Geld zu verdienen. Der erste Magazinauftrag kam 2009. Ein Jahr später schloss Ashley ihr Studium ab – die beiden heirateten und stürzten sich kopfüber in die gemeinsame Karriere.

Heute dauert ihr alljährliches Europaabenteuer von Anfang Februar bis Ende Oktober. Als wir die beiden trafen, befanden sie sich gerade auf dem Weg nach Spanien, um die letzten sechs Etappen der Vuelta a España 2019 – der letzten der drei großen Landesrundfahrten nach dem Giro d’Italia und der Tour de France – festzuhalten.

»Von den drei Grand Tours ist die Spanienrundfahrt die neueste in unserem Kalender«, erzählt Jered. »Der Giro d’Italia ist die erste Tour, die wir jemals fotografiert haben. Inzwischen wählen wir von den insgesamt 21 Etappen die zehn bis zwölf spannendsten aus. Nur die Tour de France begleiten wir komplett.« Zu ihren Kunden gehören das Radsportteam EF Education First, die Radsportmagazine Pro Cycling UK und Cycling Weekly sowie die Amaury Sport Organisation, die die Tour de France und die Vuelta organisiert.

Während der Tour de France arbeiten die beiden einschließlich von drei Vorbereitungstagen vier Wochen am Stück. »Das ist anspruchsvoll und wir brauchten einige Jahre, bis wir so weit waren, den gesamten Rennzeitraum durchzustehen«, sagt Jered. Da die beiden Berufs- und Privatleben miteinander teilen, ist es auch keine leichte Aufgabe, die Harmonie untereinander immer aufrechtzuerhalten.

»Ich bin eher der tiefenentspannte Typ«, meint Ashley und lacht. »Jered dagegen ist ein Wirbelwind. Je mehr er aufdreht, desto ruhiger werde ich.« Die beiden haben eine klare Arbeitsteilung. Ashley fährt, Jered gibt den Weg an. Jered ist für die Bildbearbeitung zuständig, während sich Ashley um die Organisation und Verwaltung kümmert.

Bei der Tour de France herrscht Chaos an der Strecke. Millionen von Menschen säumen die Straßen, um die knapp 200 Radprofis anzufeuern. Da ist es schon eine hohe Kunst, sich durch Fans und Fotografenkollegen zu kämpfen. Die besten Aussichtspunkte finden die beiden mit Google Maps. Auf jeder Etappe fotografieren sie den Start und den Zieleinlauf. Während des Rennens kann es schon mal ganz schön hektisch zugehen, wenn sie mit dem Auto von einem Streckenpunkt zum nächsten fahren, um sich vor Eintreffen des Hauptfeldes in Position zu bringen. »Man macht ein Foto an einem Punkt, springt ins Auto und fährt mit einem Affenzahn zum nächsten. Am Ende musst du noch rechtzeitig an der Ziellinie ankommen, wo es teilweise abenteuerliche 15 Minuten dauern kann, bis du einen guten Standort gefunden hast.«

Wenn die beiden nicht gemeinsam zum Hauptfeld gelangen können, teilen sie sich auf. »Häufig lasse ich mich von einem Teamwagen mitnehmen, um nicht den Anschluss zu verlieren«, verrät Ashley. »Die meisten Menschen, die mich mitnehmen, kenne ich gar nicht, aber man lernt immer interessante Leute kennen« Diese Vorliebe für ungeplante Momente spiegelt sich auch in ihren Aufnahmen wider, für die sie immer auch im Publikum Ausschau nach fotogenen Fans halten.

»Damit ein Fan als Motiv in Frage kommt, darf er nicht sturzbetrunken sein«, sagt Jered. »Nach Möglichkeit vermeiden wir außerdem Fans in neonfarbener Kleidung, denn das stört die Gesamtwirkung. Wir suchen nach gut gelaunten, begeisterten Menschen. An der Ziellinie musst du die Augen nach Fans offenhalten, die besonders aus dem Häuschen sind, denn es gibt immer einen, der versucht, neben den Fahrern her ins Ziel zu rennen.« Die Begeisterung der Grubers für den Radsport kann selbst bei den verrücktesten Fans mithalten.

ASHLEY UND JERED GRUBER

USA

»Auf einer flachen Etappe rasen die Fahrer mit 30 Stundenkilometern an dir vorbei. Viele unserer Aufnahmen entstehen also aufs Geratewohl. Zum Glück verfügt die D850 über eine hohe Auflösung, sodass ich die Bilder nachträglich beschneiden und wunderschöne Kompositionen erzielen kann, die im Moment der Aufnahme bei all dem Chaos um mich herum gar nicht möglich wären«, sagt Jered.

Drei D850 und eine D5. Unsere Objektive sind: AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED, AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8E ED VR, AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8G ED VR II, AF-S NIKKOR 50 mm 1:1,8G und AF-S NIKKOR 85 mm 1:1,4G.

D850

AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED

AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8E ED

»Das französische Baskenland hat unsere Herzen erobert. Die Straßen sind unheimlich steil, aber die Kulisse ist atemberaubend schön«, sagt Jered Gruber

D810, AF-S NIKKOR 24–120 mm 1:4G ED VR, ISO 560, 1/1.000 s, Blende 5,6

Ashley: »Jede Aufnahme ist das Ergebnis der Erfahrung dessen, was du bereits in einem Rennen gesehen hast, und dem, was du für möglich hältst«

D850, AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8E ED VR, ISO 800, 1/8.000 s, Blende 4

Jered: »Eine interessante Aufnahme gelang mir an diesem hässlichen Ort erst, als ich sah, wie die Fahrer aus dem Schatten des Stadions ins Licht kamen – eine meiner Lieblingsaufnahmen aus 2019«

D850, AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8G ED VR II, ISO 400, 1/6.400 s, Blende 8

Wenn die Strecke es zulässt, überholen Jered und Ashley das Hauptfeld mit ihrem Auto (oder lassen sich in einem Teamwagen mitnehmen), um sich am nächsten geplanten Standpunkt in Position zu bringen

D850, AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8E ED VR, ISO 800, 1/2.500 s, Blende 5,6

Jered: »Fans können ein mittelmäßiges Motiv in eine originelle Aufnahme verwandeln. Diese Frau war wirklich einer der besten Fans, die ich je gesehen habe«

D850, AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8E ED VR, ISO 450, 1/2.000 s, Blende 4

Die Grubers haben eine feste Regel: Keine Fans mit neongelber Kleidung auf einem Foto. Aber natürlich sind kreative Regeln auch dazu da, gebrochen zu werden

D850, AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8E ED VR, ISO 560, 1/2.000 s, Blende 4