Die harte Schule


Für Ben Moore stellte sich der berufliche Erfolg als Fotograf erst nach einer IT-Karriere –
und vielen Jahren der Beharrlichkeit – ein

Schon als Kind wusste Ben Moore, dass er später einen kreativen Beruf ergreifen würde. Aber niemals hätte er geahnt, einmal ein erfolgreicher Profifotograf zu werden. In seiner Schulzeit drehte sich alles um Kunst und Design – und dafür vernachlässigte er beinahe alles andere.

»Auf dem College belegte ich im Zweig Kunst und Design das Fach Fotografie«, sagt Ben, der im Süden von London aufgewachsen ist. »Allerdings nur, um den Schein zu bekommen – ich hätte nie gedacht, dass das auch cool sein könnte.«

Zehn Jahre nach dem Collegeabschluss war Ben weit von einer kreativen Karriere entfernt. Erst 2010 – als Familienvater mit einem verhassten Job in der IT-Branche – kam er aus einer Laune heraus zur Fotografie zurück. Ein Faible für technisches Spielzeug veranlasste ihn dazu, einem Freund dessen gebrauchte Nikon D3000 abzukaufen. »Mein Kumpel knöpfte mir für seine alte Kamera noch fast den Originalpreis ab«, erzählt er. »Aber ich war einfach total fasziniert davon, dass man die Objektive auswechseln konnte und so weiter.«

Zunächst machte Ben Fotos von seinen Kindern – ziemlich schlechte Fotos. »Die Bilder waren alle unscharf. Aus meiner Collegezeit wusste ich nur noch, dass man den ISO-Wert nicht zu hochstellen darf, weil die Bilder sonst rauschen. Also fotografierte ich drinnen mit viel zu langen Belichtungszeiten. Irgendwann aber gelang mir dieses sagenhafte Foto von meiner Tochter. Natürlich war das ein Glückstreffer, aber es sah aus wie aus einem Hochglanzmagazin. Und da kam in mir der Wunsch auf, Berufsfotograf zu werden.«

Nun sind Wunsch und Wirklichkeit häufig leider nicht dasselbe. Das musste auch Ben feststellen, als er im Schatten des offiziellen Fotografen Bilder von der Hochzeit seines Freundes machte. »Eine der Hochzeitsgäste fragte mich, ob ich Fotograf sei. Ich antwortete: ›Sowas in der Art‹. Sie sagte: ›Das ist keine Antwort: Ja oder Nein?‹ und lud mich in ihre Gruppe ein. Sie war Maskenbildnerin und Teil einer Gruppe aus Models, Maskenbildnern und Fotografen, die sich regelmäßig trafen, um Material für ihre Portfolios zu produzieren. So nahm ich regelmäßig an Shootings teil, bekam aber kein Geld und hatte meine Richtung noch nicht gefunden.«

Finanziell schlug er sich über die Jahre mit Aufnahmen in Londoner Clubs sowie als Hochzeits- und Schulfotograf durch. Seine eigentliche Richtung fand er über die sozialen Medien: Durch tägliche Instagram-Posts lernte er nicht nur, welche Bilder am besten ankamen, sondern bekam auch erste Anerkennung und bezahlte Aufträge. Inzwischen hat er sich auf Stadt-, Architektur- und Landschaftsfotografie spezialisiert. Privat ist Ben ein positiver Mensch. Nur auf seinen Bildern kommt das nicht wirklich zum Ausdruck: Seine Stadtlandschaften bilden die Komplexität urbaner Räume ab, meistens unter einem beklemmend wirkenden Himmel und mit einer einsamen menschlichen Gestalt im Bild.

Auch seine Porträts zeigen häufig Menschen, deren Gesicht verhüllt ist oder die ihren Blick abwenden. Sein Portfolio wirkt wie eine Serie von Standfotos aus einem tristen, aber stylischen Science-Fiction-Streifen.

Ben selbst beharrt darauf, dass seine Bilder nicht düster sind. »Wenn ich nur eine einzige Person auf einem Foto zeige, ist das eher ein bisschen Angeberei«, sagt er. »Hobbyfotografen können an einem Ort immer nur fotografieren, wenn der für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Ich möchte jedoch als Erstes vor Ort sein, wenn die Türen noch zu sind und ich den Ort ganz für mich allein habe.« Und der düstere Himmel? »Ich mag atmosphärisches Wetter«, sagt er. »Graue Himmel, Regen, Nebel. Sonnenauf- und -untergänge sind nicht mein Fall. Ich fotografiere am liebsten zur goldenen oder zur blauen Stunde. Mir gefällt es, wenn die Gebäude im Himmel verschwimmen.«

Was Technik angeht, ist Ben inzwischen pragmatischer geworden. Seine Drohne hat er sich ausschließlich für fotografische Zwecke gekauft und neues Equipment legt er sich nur zu, wenn er glaubt, dass es sich kommerziell lohnt. »Die Technik ist das Werkzeug, mit dem ich guten Content produzieren kann«, sagt er. »Was gut ist, landet bei mir in der Fototasche. Es gibt jedoch keinen Grund, technische Geräte zu horten wie Schätze, denn in fünf Jahren werden wir wahrscheinlich andere Technologien nutzen.«

Als wir mit Ben sprachen, bereitete er ein eigenfinanziertes Projekt in Chicago vor, um die berühmte Skyline im nicht weniger berüchtigten Winterwetter aufzunehmen. Auch wenn es keinen unmittelbaren Markt für diese Bilder gibt, sieht Ben solche Reisen als lohnenswerte Investitionen. »Es gibt so viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen, wenn man erst mal gute Bilder gemacht hat«, erklärt er. »Allein dadurch, dass ich mit diesen Aufnahmen mein Portfolio erweitere und die sozialen Netzwerke füttere, machen sie sich bezahlt. Solche Bilder eignen sich gut als Stock-Material und bringen so langfristig Geld ein. Wenn du ausreichend gute Bilder ins Netz stellst, kommen die Kunden irgendwann automatisch auf dich zu.«

Bens Erfolg als Berufsfotograf war eher das Ergebnis einer langen, beschwerlichen Reise als des einen entscheidenden Durchbruchs. Als Schlüssel zum stetigen Wachstum erwiesen sich seine Entschlossenheit und die sozialen Medien. Dennoch: »Ich bin glücklich mit dem, was ich erreicht habe. Ich hätte gern früher begonnen, aber ich bekomme heute Anerkennung, was in der Fotografie zu den schwersten Dingen gehört. Deshalb glaube ich, auf dem richtigen Weg zu sein.«

BEN MOORE

GB

Meine erste Kamera war eine Nikon. Mir gefiel die Haptik, die Bedienung und wie die Kamera mich beim Fotografieren schulte. Ich bin zufrieden mit Nikons Produktentwicklung und sehe keinen Grund, zu wechseln.

Meine Nikon Z 7 und die D810 als Zweitgehäuse. Meine Objektive: AF-S NIKKOR 50 mm 1:1,4G, AF-S NIKKOR 85 mm 1:1,4G, AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED, AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8G ED und AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8G ED VR II. Ich besitze auch ein Nikon-Blitzgerät SB-900 und die Drohne DJI Mavic Pro.

Ich hätte gern ein Nikon-Objektiv mit Brennweite 200–400 mm oder sogar 600 mm, um Aufnahmen machen zu können, wie man sie in der National Geographic sieht: einfach stundenlang sitzen und warten, bis irgendein faszinierendes Tier im Sucher auftaucht.

Z 7

AFS-NIKKOR 50 mm 1:1,4G

AFS-NIKKOR 85 mm 1:1,4G

BaselWorld, Basel, Schweiz, Juli 2019

Z 7, AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED, ISO 100, 1/8.000 s, Blende 2,8

Hide Restaurant, London, August 2019

Z 7, AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED, ISO 500, 1/60 s, Blende 2,8

FHNW Campus Muttenz, Schweiz, Juli 2019

Z 7, AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED, ISO 100, 1/125 s, Blende 2,8

Bloomberg London, London, April 2019

D810, AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED, ISO 800, 1/125 s, Blende 3,5

LSE Bibliothek, London, Juni 2017

D800, AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED, ISO 640, 1/100 s, Blende 4

British Museum, London, Juni 2018

D800, AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED, ISO 100, 1/1000 s, Blende 4

FHNW Campus Muttenz, Schweiz, Juli 2019

Z 7, AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED, ISO 100, 1/500 s, Blende 2,8