Mehr Chancen auf den Sieg


Was Sie tun können, um die Jury beim nächsten Fotowettbewerb von sich zu überzeugen

Ohne Geld geht es auch in der Fotografie nicht. Zum Glück gibt es eine Flut von Fotowettbewerben und Fördermöglichkeiten, die Fotografen in jeder Phase ihrer beruflichen Laufbahn mit dem nötigen finanziellen Polster ausstatten können. Preise und Stipendien werden für alle Arten der Fotografie ausgeschrieben – von Einzelaufnahmen über Lebenswerke bis hin zu künftigen Projekten.

Das Geld macht jedoch nur einen Teil der Attraktivität aus. Im Rahmen seines Wettbewerbs Portrait of Britain im September präsentierte das British Journal of Photography 100 Siegerbilder landesweit an Bushaltestellen, Bahnhöfen und auf Bildschirmen in Einkaufsstraßen. Diese nationale Straßenausstellung verschaffte den Siegerfotos mehr Publicity als jede herkömmliche Ausstellung.

Es ist die Kombination aus Prestige, einer breiten Öffentlichkeit und finanzieller Förderung, die Fotowettbewerbe und Stipendien so attraktiv machen. Der Prozess der Antragstellung – von der Auswahl der besten Aufnahme oder Serie bis hin zu einer erstklassigen Präsentation und Beschreibung – kann jedoch nervenaufreibend und zeitaufwendig sein.

Wir sprachen mit Gewinnern und Juroren, um herauszufinden, worauf Jurys Wert legen, wie man die eigene Arbeit bestmöglich präsentiert und ob es irgendwelche Geheimnisse gibt, um es auf die Shortlist zu schaffen.

Als Max Miechowski 2017 nach London kam, zog er erst einmal durch die Straßen, um sich an die Hektik der britischen Metropole zu gewöhnen. Auf einem seiner Spaziergänge entdeckte er Musah, der in einem Fish-and-Chips-Imbiss um die Ecke arbeitete. Max’ Porträtaufnahme von Musah war eines der Siegerbilder beim Fotowettbewerb Portrait of Britain 2018.

»Als ich Musah sah, schien ein herrliches Licht auf ihn. Wir unterhielten uns eine Weile über unsere unterschiedlichen Erfahrungen von der Stadt, dann fragte ich ihn, ob ich ihn fotografieren dürfte«, erzählt Max. »Was mich an der Porträtfotografie fasziniert, ist der gemeinschaftliche Aspekt. Zwei Menschen teilen einen Moment der gegenseitigen Anerkennung und des Respekts und erschaffen gemeinsam ein Bild.« Diese Aufnahme war nicht als Wettbewerbsbeitrag geplant und entstand tatsächlich spontan – was zeigt, dass auch ungestellte Aufnahmen für eine Wettbewerbsteilnahme infrage kommen.

Stefan Boness ist seit 1997 professioneller Fotograf und hat kürzlich für seine Reportage über eine Fridays-for-Future-Demonstration den Hauptpreis Peace Image of the Year 2019 des Alfred Fried Photography Award gewonnen. »Auf die Bewegung rund um die charismatische Klimaaktivistin Greta Thunberg wurde ich Anfang des Jahres aufmerksam«, sagt der in Berlin lebende Fotograf. »Ich war sofort so beeindruckt von dem Engagement, der Kreativität und Fröhlichkeit dieser jungen Aktivisten, dass ich sie einfach ohne Auftrag fotografierte – auch wenn ich später einige Fotos an den Spiegel, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, taz und Die Zeit verkauft habe.«

»Geld ist zwar hilfreich, aber gleichermaßen wichtig ist es, Fotografen eine internationale Plattform zu bieten«

Von seinen mehreren Hundert Aufnahmen von zahlreichen Demonstrationen wählte Stefan 18 für seine preisgekrönte Reportage aus, darunter auch sein Siegerfoto Our future in your hands. »Ich nehme regelmäßig an ausgewählten Wettbewerben teil«, erzählt er. »Der Alfred Fried Award ist einfach wunderbar – nicht nur wegen des Friedensthemas, sondern auch wegen der fantastischen Initiativen der Leute hinter dem Award.«

Stefan hält Auszeichnungen für einen wichtigen Bestandteil seines beruflichen Fortkommens und sagt, dass zwei seiner Buchprojekte – Flanders Fields und Hoyerswerda – ohne die Förderung der deutschen VG Bild-Kunst erst gar nicht zustande gekommen wären. Auch wenn das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro ihm die Freiheit gibt, weitere Projekte umzusetzen, besteht der eigentliche Wert der Auszeichnung für ihn in der Anerkennung, Aufmerksamkeit und vor allem Motivation. »Außerdem hoffe ich, zumindest einen kleinen Beitrag zu einer wichtigen Sache zu leisten.«

Und wer entscheidet, ob ein Bild das Zeug zum Sieger hat? Anne-Marie Beckmann ist Geschäftsführerin der Deutsche Börse Photography Foundation mit Sitz in Frankfurt am Main. Der mit 30.000 Pfund dotierte Preis wird jährlich an einen Fotojournalisten vergeben, der im Vorjahr in Form einer Ausstellung oder Publikation einen bedeutenden Beitrag zur Fotografie in Europa geleistet hat.

»Das Wichtigste [für uns als Juroren] sind überzeugende Fotos von hoher Qualität, die gut präsentiert und in irgendeiner Form innovativ sind«, sagt sie. »Außerdem sollte der Einfluss anderer Künstler nicht zu offensichtlich sein. Einzigartig und innovativ zu sein, ist sehr wichtig.«

»Wenn ich jemanden davon überzeugen möchte, mich zu fördern, meine Arbeit zu kaufen, muss ich andererseits darüber nachdenken, wie ich einer Jury in der begrenzten Zeit, die sie für die Beurteilung meiner Arbeit hat, eine Idee davon vermitteln kann. Gute Aufnahmen allein reichen nicht – man muss auch etwas dazu schreiben, das klar und eingängig ist.«

Die Deutsche Börse Photography Foundation fördert Fotografen in jeder Phase ihrer Karriere – vom Studierenden bis zum etablierten Profi. Geld sei zwar hilfreich, sagt Anne-Marie. Gleichermaßen wichtig sei es jedoch, Fotografen eine internationale Plattform zu bieten.

Man kann also durchaus Dinge tun, um die eigenen Chancen auf einen Preis oder auf Förderung zu erhöhen. Originalität ist wohl die wichtigste Zutat jedes Beitrags. Hohes technisches Können nützt wenig, wenn das Motiv oder der Stil direkt an die Arbeit anderer Fotografen und Künstler angelehnt ist.

Weitherhin wichtig ist das Storytelling: Wer eine Auswahl oder Sequenz von Bildern einreicht, sollte in begleitenden Texten kurz und prägnant auf den Punkt bringen, welche Geschichte die eingereichten Bilder erzählen. Viele Fotografen haben Schwierigkeiten, sich schriftlich auszudrücken – oder denken das zumindest. Am besten stellt man sich das Foto als das »Was« der Geschichte vor und die Texte als das »Wer« und »Warum«.

Auf Websites wie lenscratch.com und photocontestguru.com findet man Listen von Stipendien und Preisen. Schließlich sollte man nicht dem Irrtum unterliegen, bei großen internationalen Wettbewerben erst gar keine Chance zu haben. Im letzten Jahr wurde der Gewinner des mit 25.000 Euro dotierten Luma Rencontres Dummy Book Award, der auf dem prestigeträchtigen Fotofestival Les Rencontres d’Arles für ein laufendes Fotobuchprojekt vergeben wird, aus gerade einmal 146 Einsendungen ausgewählt. Bei einer Chance von 1:146 auf einen Karriereschub sollte man definitiv nicht auf die Teilnahme verzichten.