Wo die Liebe hinfällt


Gurvir Johal hatte nie vor, Hochzeitsfotograf zu werden. Heute ist er einer der besten der Welt

Gurvir Johal hatte weder den Plan noch den Wunsch, Hochzeitsfotograf zu werden. Als junger Grafikdesigner bekam er eine Nikon D60 gestellt, um Bilder für das Studio zu machen, bei dem er angestellt war. Als die beste Freundin seiner Schwester ihn bat, Fotos auf ihrer Hochzeit zu machen, lehnte er ab. »Ich sagte ihr, sie solle einen professionellen Fotografen engagieren, und ich würde einfach als Gast kommen und meine Kamera mitbringen. Auf dieser Hochzeit begann meine Liebe für die Hochzeitsfotografie.«

In den letzten zehn Jahren ist Gurvir für seinen unverwechselbaren, malerischen Stil und sein Auge für Komposition mit mehreren internationalen Preisen bedacht worden. Heute gehört er zu den gefragtesten Fotografen asiatischer Hochzeiten in Großbritannien und im Ausland.

Diese Hochzeiten sind anspruchsvoll. Ob hinduistisch, muslimisch oder Sikh – die Gästeliste umfasst fast immer mehrere Hundert Leute, die Rituale können sich über Monate erstrecken und der große Tag dauert nicht selten 18 Stunden.

»Die meisten Feste beginnen vier bis fünf Tage vor der eigentlichen Trauung mit vorbereitenden Ritualen und Zeremonien«, erzählt Gurvir. »Manche Kunden möchten, dass ich alle Anlässe fotografiere, andere wollen nur die Trauung und die Hochzeitsfeier. Manchmal werde ich auch beauftragt, die Verlobung zu dokumentieren, die sechs Monate vor der Hochzeit stattfindet. Das gibt mir die Gelegenheit, jeden kennenzulernen und erleichtert meine Arbeit am Hochzeitstag, wenn 500 Gäste anwesend sind. Denn so weiß ich schon vorher, wen ich häufiger fotografieren muss als andere.«

»Es gibt Kunden, die mich zwei oder drei Jahre im Voraus buchen und sich in der Zwischenzeit mit mir austauschen, was sie sich wünschen und wie wir das realisieren können – jeder Kunde ist anders«, sagt er weiter. »Manche wollen ganz klassische Porträts, andere sind eher originell. Ein Brautpaar wollte als Königin und König auf dem Schachbrett in Szene gesetzt werden. Dann gibt es aber auch Paare, die nicht so gern im Mittelpunkt stehen, obwohl es ihre Hochzeit ist. All diese Dinge müssen ausführlich besprochen und geplant werden.«

Bei der Hochzeitsfotografie geht es selbstverständlich darum, die Emotionen und den einen ganz besonderen Moment einzufangen – was bei Hochzeiten dieser Größenordnung definitiv eine Herausforderung ist. »Der Hochzeitstag besteht zu 90 Prozent aus Momentaufnahmen. Ich stehe als neutraler Beobachter am Seitenrand und mache Bilder, ohne selbst einzugreifen«, sagt Gurvir. »Ich habe immer jemanden dabei, der assistiert, damit wir keinen wichtigen Augenblick verpassen. Typischerweise laufen bei einer Hochzeit viele Dinge gleichzeitig ab. Braut und Bräutigam bereiten sich an unterschiedlichen Orten vor, ebenso manche Rituale. Deshalb teilen wir uns morgens auf und treffen uns dann zur Trauung wieder, um den Rest des Tages zusammenzuarbeiten. In den seltenen Fällen, wenn 1.000 Gäste anwesend sind, arbeiten wir auch schon mal zu dritt. Ein Assistent und ich selbst sind dann auf der Tanzfläche unterwegs und machen den Großteil der Aufnahmen, während sich der dritte Fotograf unter die Gäste mischt, um möglichst vielfältige Szenen festzuhalten.«

Als langjähriger Nikon-Nutzer hat sich Gurvir kürzlich die Z 6II angeschafft, die ihm sowohl physische als auch künstlerische Vorteile bietet. »Eine traditionelle englische Hochzeit ist vielleicht nach acht, höchstens nach zehn Stunden vorbei. Asiatische Hochzeiten dauern mindestens 16 Stunden, manchmal auch 18. Das ist eine sehr lange Zeit mit schwerem Equipment. Früher war ich nach sehr langen Hochzeiten auf der Heimfahrt kaum in der Lage, das Lenkrad zu halten. Als ich das erste Mal eine Z 6II in der Hand hielt, dachte ich: Wo ist der Rest? Die Gewichtsreduktion macht echt viel aus. Vor allem aber stellte ich fest, dass ich ohne Spiegel produktiver fotografiere, weil ich mich nicht mehr aufs Fokussieren konzentrieren musste. Der Autofokus ist so präzise, dass ich mehr Zeit für die Komposition und den Bildausschnitt habe. Normalerweise mache ich auf einer Hochzeit 2.500 bis 3.000 Fotos. Dieses Jahr werde ich wohl 5.000 oder 6.000 machen, einfach aufgrund der Zuverlässigkeit der Kamera. Darauf freue ich mich schon«, sagt er und lächelt.

Bei so vielen Aufnahmen kann die finale Bildauswahl ein Problem darstellen. Doch bei der Präsentation der ausgewählten Aufnahmen ist Gurvir unnachgiebig: »Ich bin ein großer Fan des klassischen Hochzeitsalbums, das ich von Anfang bis Ende für den Kunden plane und gestalte. Wir sind die am meisten fotografierte Generation, doch gleichzeitig existieren nur wenige Abzüge. Aus meiner Sicht geht dadurch etwas verloren. Ich habe im vergangenen Jahr mehrere Angehörige durch Covid verloren und wenn ich jetzt in alten Fotoalben blättere, kann ich einzelne Fotos herausnehmen und mir in Ruhe ansehen – dieses besondere Erlebnis habe ich bei rein digitalen Aufnahmen definitiv nicht.«

Als Nächstes möchte Gurvir auch Videos produzieren und sein Können an andere weitergeben. »Ich biete schon seit einigen Jahren Workshops an und das Unterrichten macht mir inzwischen genau so viel Spaß wie das Fotografieren von Hochzeiten«, sagt er. »Angefangen habe ich mit Tutorials auf meiner Website. Als Nächstes plane ich, einige Videos über meine Techniken und Arbeitsabläufe zu produzieren, worauf ich mich sehr freue. Wenn man wie ich ein gewisses Maß an Erfolg in seinem Bereich erzielt hat, sollte man nicht einfach die Tür hinter sich zuziehen und andere außen vor lassen. Ich möchte diese Tür offenhalten und möglichst vielen helfen, einen Fuß hineinzubekommen.«

Gurvir Johal

grossbritannien

Die Kameras sind nicht nur schnell und zuverlässig, mir gefallen auch die Farbwiedergabe und die interne Bildbearbeitung. Wenn ich hinten aufs Display gucke, weiß ich genau, was ich bekomme. Das entspricht meinem Stil, weil ich nur sehr wenig nachbearbeite. Die Leute glauben, dass meine Bilder stark bearbeitet sind, aber tatsächlich kommen 90 Prozent so aus der Kamera.

Ich habe immer zwei Gehäuse der Nikon Z 6II und mehrere Z-Objektive dabei: das 14–30 mm 1:4, 24–70 mm 1:4, 70–200 m 1:2,8 VR, 35 mm 1:1,8, 50 mm 1:1,8 und 85 mm 1:1,8.

Die Z 7II und das NIKKOR 58 mm 1:0,95 Noct. Wenn Nikon eine Frau wäre, würde ich ihr wahrscheinlich einen Heiratsantrag machen.

Z 6II

NIKKOR Z 14-30 mm

NIKKOR 58 mm 1:0,95 Noct

Die letzten Vorbereitungen zu Hause für den großen Tag

D750, NIKKOR 70–200 mm 1:2,8 VR, 70 mm, ISO 2.500, 1/125 s, Blende 3,5

Die Braut bereitet ihren großen Auftritt vor

D750, NIKKOR 70–200 mm 1:2,8 VR, 70 mm, ISO 2.500, 1/125 s, Blende 3,5

»Die Sikh-Braut mit ihren Schwestern während des Doli, einem zeremoniellen Abschied von der Familie. Sie beginnt nun ein neues Kapitel«

D750, NIKKOR AF-S 24–70 mm 1:2,8E ED VR, 24 mm, ISO 2.000, 1/160 s, Blende 3,5

Ein Paar vor der Amalfi Kathedrale, Italien

D750, AF-S NIKKOR 24-70 mm f/2,8E ED VR @45 mm, ISO 200, 1/400 s, Blende 5,6

Der richtige Ausschnitt

D750, AF-S NIKKOR 24-70 mm f/2,8E ED VR @ 29 mm, ISO 250, 1/160 s, Blende 8