die SUCHE NACH DEM eigenen LOOK



Ob freie Projekte oder Fotoshootings für die bekanntesten Marken der Welt – Matthew Joseph hat seinen einzigartigen visuellen Stil gefunden

Mit elf Jahren fand Matthew Joseph heraus, wie er es vermeiden konnte, für Familienfotos zu posieren – indem er sie selbst machte. Von diesen frühen Anfängen mit der Kleinbildkamera seines Vaters über Landschaftsaufnahmen von seiner englischen Heimat Norfolk und Bildern von Familienausflügen zu Flugshows bis hin zu seinen jüngsten Kampagnenaufnahmen für eine globale Technikmarke in Kalifornien – Matthews Leidenschaft für die Fotografie ist ungebrochen.

Er selbst beschreibt seinen Stil als »kuratierte Spontaneität« und bezeichnet damit die Art, wie er ungestellte Augenblicke zwischenmenschlicher Interaktion auf einzigartige, gestochen scharfe und bewusst komponierte Weise festhält. Dieser Stil resultiert aus der langjährigen präzisen Beobachtung seiner Umgebung, einem guten Gespür für Menschen und der Bereitschaft, auch technologisch immer mit der Zeit zu gehen.

»Was ich heute digital mache, wäre früher gar nicht möglich gewesen«, sagt Matthew. »Bei mir geht es bei einem Foto immer um den Inhalt und die Menschen, die darauf zu sehen sind. Allerdings stellen Werbekunden so viele Anforderungen an mich als Fotografen, dass ich heute hauptsächlich digitale Informationen sammele. Manchmal entscheide ich mich bewusst für Über- oder Unterbelichtung, weil ich schon weiß, was ich später mit der Datei machen werde.« Mit dieser Methode hat man nur Erfolg, wenn man die Basics beherrscht. Deshalb ist Matthew froh, schon früh mit dem Fotografieren begonnen und das fotografische Handwerk von der Pike auf erlernt zu haben.

»Meine ersten Bilder entstanden alle analog«, sagt er. »Keine Metadaten. Als Jugendlicher machte ich viele Fehler und als ich die entwickelten Fotos zurückbekam, musste ich selbst herausfinden, warum manche Dinge funktioniert hatten und andere nicht. Ich wollte schon immer gute Ergebnisse direkt aus der Kamera, und auch heute mag ich es nicht, Bilder nachträglich zu beschneiden. Ich habe auch früh gelernt, das Licht zu lesen, weil bei meiner ersten Kamera der Belichtungsmesser defekt war.«

Matthews Entscheidung, die Fotografie zu seinem Beruf zu machen, fiel in seinem letzten Schuljahr. Damals war ihm klar, dass er bessere Fotos für das Jahrbuch machen könnte als der Schulfotograf. »Das mag vielleicht arrogant wirken, aber ich kannte meine Schulfreunde und konnte so mit meiner digitalen Kompaktkamera viel persönlichere und authentischere Fotos machen als eine ältere, fremde Person. Die Abzüge verkaufte ich für gutes Geld und das war gleich aus zwei Gründen eine Offenbarung für mich: Erstens erfuhr ich, dass ich mit dem Fotografieren Geld verdienen konnte. Und zweitens lernte ich, wie man Personen unter den gegebenen Umständen bestmöglich in Szene setzt.«

Seitdem hat Matthew sich zum Vollblut-Fotografen entwickelt. »Schätzungsweise 20 Prozent meiner Zeit verbringe ich mit Fotografieren«, sagt er. »Den Rest der Zeit versuche ich, Aufträge an Land zu ziehen. Dazu kommen all die Meetings, E-Mails und Telefonkonferenzen weltweit sowie die Postproduktion und Portfolio-Gestaltung.«

»Ich arbeite in einem sehr kommerziellen Bereich. Ich weiß, dass vielen Fotografen der geschäftliche Teil ihres Berufs zuwider ist – aber mir macht das richtig viel Spaß.«

Zu Beginn seiner Karriere habe Matthew immer das getan, was man von ihm verlangte. Heute übernimmt er mehr kreative Kontrolle. »Am Set arbeiten teilweise 30 Leute und jeder davon hat einen harten Job. Aber wenn es hart auf hart kommt, bin ich derjenige, der die Verantwortung trägt«, sagt er. » Manchmal muss ich einem Kunden einfach meine Meinung sagen – immerhin werde ich von ihm dafür bezahlt, dass ich vor Ort bin. Sicherlich ist es schöner, wenn wir alle Spaß miteinander haben. Es gibt aber auch Situationen, wo ich mich einfach mal durchsetzen und sagen muss, wo es langgeht.«

Auch online schlägt Matthew seit Kurzem klarere Wege ein – vor allem auf Instagram, denn dieser Dienst ist aus beruflicher Sicht für ihn am wichtigsten. »Früher habe ich spontan schöne Bilder gepostet, um zu zeigen, was ich am jeweiligen Tag gemacht habe – denn genau darum geht es doch bei Social Media. Inzwischen sind meine Beiträge wesentlich genauer geplant und kuratiert – ob mir das gefällt oder nicht. Denn letztlich hast du vielleicht zwei oder drei Swipes Zeit, um User mit deinem Feed zu beeindrucken. Das heißt, du musst die Message innerhalb von drei Sekunden mit einer Handvoll Bildern rüberbringen.«

»Ich würde nicht sagen, dass ich durch Instagram direkt Kunden akquiriere, aber die Plattform spielt definitiv eine Rolle für mein Direktmarketing und gibt vielleicht manchmal den entscheidenden Push für einen Job.« Ausschlaggebend dafür, ob Matthew einen Auftrag bekommt oder nicht, ist sicherlich sein Stil der »kuratierten Spontaneität« – und der ist aktuell sehr gefragt.

»Wir werden heute mit so vielen Bildern bombardiert, dass wir problemlos in der Lage sind, gestellte von authentischen Aufnahmen zu unterscheiden«, sagt er. »Meine große Stärke besteht vielleicht darin, echte zwischenmenschliche Interaktion festzuhalten – auch wenn das schwierig ist. Die technische Umsetzung ist eine Sache. Aber worauf es wirklich ankommt, ist die Beziehung zum Modell. Dazu gehört auch, zu spüren, wann es Zeit für eine Pause ist.«

»Ich habe vielleicht 20 Sekunden Zeit, um eine Person zu fotografieren, bevor sie in eine U-Bahn steigt oder andere Fahrgäste ins Bild rennen«, sagt Matthew. »Aber ich weiß sofort, wann ich ein Foto machen möchte, und dieser Augenblick ist authentisch. Mein Trick ist es, das Lifestyle-Element aus der Werbefotografie mit meinem persönlichen Porträtstil zu einem unverkennbaren Look zu kombinieren – zu einem typischen ›Matthew Joseph‹ eben.«

matthew joseph

England

Noch am Tag der Vergabe meines Abschlusszeugnisses kaufte ich mir meine erste Spiegelreflexkamera mit Automatikfunktionen – davor hatte ich mit der Kamera meines Vaters manuell fotografiert. Ich weiß nicht mehr, warum ich mich für die Nikon F75 entschied. Jedenfalls gab es seitdem keinen Grund, zu wechseln!

Meine D850 und eine Z 7 als Ersatz. Mein Allround-Objektiv ist das AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G. Ein weiteres Lieblingsobjektiv ist das AF-S NIKKOR 58 mm 1:1,4G. Außerdem besitze ich ein AF-S NIKKOR 85 mm 1:1,4G, AF-S NIKKOR 20 mm 1:1,8G ED, AF-S VR Micro-NIKKOR 105 mm 1:2,8G IF-ED und ein AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8 VR. Vor Kurzem stellte ich beim Wandern in Patagonien fest, dass es bei stürmischem Winter im Gebirge keinen Wert hat, ständig Festbrennweiten zu wechseln – also kaufte ich mir das AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8E ED VR. Bei einem meiner letzten Aufträge stand ich auch auf Skiern. Das Objektiv trotzte mühelos Schnee, Eis und Wasser und überstand sogar einen Sturz.

D850

AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G

AF-S NIKKOR 58 mm 1:1,4G

Jump Cape, freies Projekt, Juni 2018

D850, AF-S NIKKOR 58 mm 1:1,4G, Metadaten unbekannt

Taucherglocke und Taucher in 65 Metern Tiefe auf Gombessa V, Mittelmeer, 2019

Metadaten nicht verfügbar

Location-Shootingin Südafrika, Kunde: Handyhüllen-Hersteller Gear4, Juni 2018

D850, AF-S NIKKOR 85 mm 1:1,4G, Metadaten unbekannt

Location-Shootingin Südafrika, Kunde: Handyhüllen-Hersteller Gear4, Juni 2018

D850, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G, Metadaten unbekannt

Location-Shootingin Südafrika, Kunde: Handyhüllen-Hersteller Gear4, Juni 2018

D850, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G, Metadaten unbekannt

Location-Shootingin Südafrika, Kunde: Handyhüllen-Hersteller Gear4, Juni 2018

D850, AF-S NIKKOR 58 mm 1:1,4G, Metadaten unbekannt

Location-Shootingin Südafrika, Kunde: Handyhüllen-Hersteller Gear4, Juni 2018

D850, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G, Metadaten unbekannt

Location-Shootingin Südafrika, Kunde: Handyhüllen-Hersteller Gear4, Juni 2018

D850, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G, Metadaten unbekannt

Porträt von Lenny Henry, Kunde: Comic Relief/BBC, Juni 2019

D850, AF-S NIKKOR 58 mm 1:1,4G, Metadaten unbekannt

SomaWest, freies Projekt, Dezember 2019

D850, AF-S NIKKOR 58 mm 1:1,4G, ISO 1.000, 1 /2.50 s, Blende 2

SomaWest, freies Projekt, Dezember 2019

D850, AF-S NIKKOR 58 mm 1:1,4G, ISO 1.000, 1 /2.50 s, Blende 2