Ohne Fleiß

kein Preis


Der internationale Sportfotograf Joel Marklund liebt seinen Beruf – auch wenn die Work-Life-Balance manchmal darunter leidet

Mit seinen atemberaubend dynamischen Aufnahmen von den größten Sportereignissen der Welt zählt Joel Marklund zu den besten europäischen Sportfotografen. Er besitzt eine offizielle Akkreditierung für Wimbledon, ist regelmäßig bei Olympischen Sommer- und Winterspielen dabei und reist von New York und Stockholm aus zu Top-Spielen im Eishockey und in anderen Sportarten.

Mit 16 Jahren wollte der Schwede Reporter werden. Schon als Schüler im nordschwedischen Boden schrieb er für die Lokalzeitung Norrländska Socialdemokraten (NSD) über Videospiele. Als er später auch über Unterhaltungsangebote und Musikfestivals berichtete, bat ihn die NSD-Redaktion, zu seinen Artikeln auch Fotos zu liefern. Nach dem Schulabschluss mit 19 bot ihm das Blatt ein Volontariat als Fotograf an.

»Die Zeit bei der Lokalzeitung hat mich stark geprägt«, erzählt Joel, mit dem Nikon Pro vor Ausbruch der Corona-Pandemie sprach. »Ich durfte alles fotografieren – von News über Sport bis hin zu Mode. Dabei habe ich sehr viel gelernt. Ich war Teil eines kleinen Teams und konnte die anderen Fotografen alles fragen. Es war toll, so zu lernen, denn selbst wenn ich mal einen Fehler machte, war das kein Beinbruch.« In dieser Zeit entdeckte Joel der in seiner Jugend selbst Eishockey, Hand- und Basketball spielte, sein Talent für die Sportfotografie. Schon bald wurde das Aftonbladet, die größte schwedische Tageszeitung, auf Joels Bilder aufmerksam und bot ihm einen Auftrag als Sport- und Nachrichtenfotograf in Nordschweden an – für ihn der persönliche Durchbruch.

Nach wenigen Monaten wechselte er zur größten schwedischen Bildagentur Bildbyrån. Als fester Fotograf sollte er ausschließlich Sportveranstaltungen dokumentieren – und war sich gar nicht sicher, ob er das wollte. »Damals sagte ich mir, dass ich das ein halbes Jahr ausprobieren würde. Eigentlich war ich begeisterter News-Fotograf und liebte die aufregende Jagd nach der nächsten Story.« Kurz vor Ablauf der sechs Monate wurde Joel dann allerdings zu den Olympischen Sommerspielen 2008 nach Peking geschickt. Dort wurden die beruflichen Weichen für ihn endgültig gestellt. »Ich war absolut Feuer und Flamme«, sagt er. »Nach Peking war klar, dass ich noch viel mehr solcher Sportwettbewerbe miterleben und dokumentieren wollte.«

»Als Fotograf bei Olympia bist du in einer Blase«, erzählt er. »In diesen zwei Wochen dreht sich alles nur um den Sport. Die Olympischen Spiele sind wie viele verschiedene Weltmeisterschaften in einer. Es kann sein, dass du morgens einen der größten Momente im Leben eines Sportlers festhältst und nachmittags schon das nächste Highlight erlebst. Es dauert immer eine Weile, bis du kapierst, was sich da vor deinen Augen abgespielt hat. 2008 stellte Usain Bolt einen neuen Weltrekord im 100-Meter-Lauf auf – und erst ein paar Wochen später begriff ich, dass ich live dabei war!«

Zwölf Jahre später, bei seinen siebten Spielen in Tokio, sollte Joel als Bildbyrån-Cheffotograf ein Team aus sechs Agenturfotografen leiten – sechs Wochen intensive Arbeit tief in der »Blase«. Die wohl strapaziöseste Phase seiner Karriere begann im Januar 2020 mit den Olympischen Jugend-Winterspielen im schweizerischen Lausanne. Doch auch wenn die Arbeit eines Sportfotografen anstrengend und zeitintensiv sein kann – am Ende macht sich Beharrlichkeit immer bezahlt.

»Bei Olympia wollten wir unbedingt eine Unterwasserkamera im Schwimmbecken platzieren. Es gibt weltweit zig Bildagenturen, doch im olympischen Becken sind höchstens zehn bis zwölf Kameras zugelassen. Es ist sehr schwierig, eine Genehmigung zu bekommen und man muss viele Jahre lang hart dafür arbeiten – dieses Privileg bekommt man nicht einfach geschenkt.« Joel gehört zu den vielen Menschen, für die die Absage der diesjährigen Spiele ein echter Schlag war.

Da Joel als professioneller Sportfotograf beruflich stark eingespannt ist, achtet er darauf, regelmäßig Pausen einzulegen. »Etwa alle zwei Jahre versuche ich, ein vollkommen anderes Projekt zu machen«, sagt er. »Ich finde es wichtig, dass man als Fotograf ab und zu mal über den Tellerrand schaut, um neue Inspiration zu sammeln.« Vor zwei Jahren nahm er für Nikon eine Reihe außergewöhnlicher Porträtaufnahmen von Angehörigen der Samen, einer indigenen Volksgruppe in Nordschweden, auf.

»Ich lasse mich nicht nur von der Arbeit anderer Sportfotografen anregen, sondern sehe mir auch Mode-, Dokumentar- und Werbefotos an oder befasse mich mit Kunst und Malerei. All das hilft mir, neue Ideen zu sammeln. Wenn man wie ich jahrelang als Sportfotograf tätig ist, beherrscht man sein Handwerk irgendwann. Ab und zu muss dann aber doch ein bisschen Abwechslung her.«

Für die nötige Abwechslung sorgt auch, dass Joel abwechselnd in Stockholm und New York lebt. »Eishockey ist in den nordischen Ländern sehr beliebt und es gibt etwa 100 schwedische Spieler in der NHL in den USA und in Kanada. Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, in die Staaten zu ziehen und von dort aus für schwedische Zeitungen zu berichten – nicht nur über Eishockey, sondern auch über Boxen und verschiedene andere Themen.«

»New York hat mich schon immer fasziniert. Die Stadt ist unglaublich kreativ und gibt mir eine besondere Energie. Die New Yorker Fotoszene ist vollkommen anders als die in Stockholm – der Wettbewerb ist härter, vielleicht sogar ein bisschen rau. Doch ich persönlich suche immer die Herausforderung.«

Auch wenn 2020 nicht so verläuft, wie Joel es sich gewünscht hätte, bleibt er doch nach Jahren harter Arbeit führend in seinem professionellen Feld. »Ich hoffe, dass ich am Ende auf dieses Jahr zurückblicken kann und es mir insgesamt Spaß gemacht haben wird«, sagt er. »Und ich hoffe, dass meine Freunde dann immer noch Lust haben, mich zu treffen.«

JOEL MARKLUND

Schweden

Bei den Olympischen Sommerspielen 2008 lieh ich mir verschiedene Nikon-Produkte aus. Als ich wieder zu Hause war, berichtete ich den Kollegen von meinen Erfahrungen und Anfang 2009 stieg die gesamte Agentur auf Nikon um. [2016 wurde Joel zum ersten europäischen Nikon-Ambassador ernannt.]

Für internationale Ereignisse: vier D6 und eine D5. Dazu acht Objektive: AF-S NIKKOR 400 mm 1:2,8E FL ED VR, AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR, AF-S NIKKOR 105 mm 1:1,4E ED, AF-S NIKKOR 50 mm 1:1,4G, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G, AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8E ED VR, AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED und AF-S FISH-EYE-NIKKOR 8–15 mm 1:3,5-4,5E ED.

Ich hoffe, dass robotergesteuerte Kamerasysteme entwickelt werden, die kompakter sind und sich besser für kleinere Media-Firmen eignen.

D 6

AF-S NIKKOR 400 mm 1:2,8E FL ED VR

AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR

FINA Schwimmweltmeisterschaften, Südkorea, 2019 (© BILDBYRÅN)

D4S, AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED, ISO 4.000, 1/1.600 s, Blende 5

Serena Williams, Wimbledon, London, 2019 (© BILDBYRÅN)

D5, AF-S NIKKOR 200 mm 1:2G ED VR II, ISO 320, 1/8.000 s, Blende 2

100-Meter-Finallauf der Frauen, IAAF Leichtathletik-Weltmeisterschaften, Doha, 2019 (© BILDBYRÅN)

D5, AF-S NIKKOR 400 mm 1:2,8E FL ED VR, ISO 2.500, 1/2.500 s, Blende 2,8

Schweden gegen Lettland, IIHF Eishockey-Weltmeisterschaften, Slowakei, 2019

D5, AF Fisheye-NIKKOR 16 mm 1:2,8D, ISO 3.200, 1/1.250 s, Blende 5

Snowboard-Slopestyle der Männer, Olympische Jugend-Winterspiele, Lausanne, Schweiz, 2020

D5, AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8E ED VR, Metadaten unbekannt

Rumänische Athleten bei den Olympischen Jugend-Winterspielen, (beide ©OIS/IOC – Olympic Information Services)

D5, AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8E ED VR, Metadaten unbekannt